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Die Rock-Helden sind vom Dorf

Das waren nun die dritten Rockheroes in den letzten vier Jahren. Die Veranstaltung lief dieses Mal erst Ende November den drei Bands LazLo, Paradise Bluesband, Ika Hussmann Band. LazLo wurde allerdings seit 2015 komplett durchgetauscht. Nur Michael van de Locht ist noch aus dieser Besetzung dabei. 2015 war gleichzeitig der letzte Auftritt mit dem verstorbenen Bassisten Hajo Schalles.

Von Hajo stammt auch der Titel der Veranstaltung „Rockheroes“. Wir meinten damit ursprünglich nicht uns als Musiker, sondern eher das, wofür wir stehen wollen, authentische Rock- und Bluesmusik, handgearbeitet und ohne Schnörkel.

Auf der anderen Seite … vielleicht meint „Rockheroes“ doch die „Dorfmusiker“ in der Gegend? Leute, die das halbe Leben in irgendwelchen Proberäumen zubringen, die auch in späteren Jahren, wo man fast schon an die Rente denkt, immer noch gerne abrocken und die immer noch „Rosinen“ im Kopf haben.

Es gibt hier in der Ecke viele solcher Musiker, oft versiert am Instrument und unbedingt hörenswert. Und nicht Wenige von den Vielen wissen, dass sie in diesem bescheidenen Rahmen bis ans Ende ihre Musikerlaufbahn auftreten werden. Meistens ohne nennenswerte Gagenerwartungen, schlagen sie sich Nächte um die Ohren, ernähren sich ungesund à la Pommes Schranke und trinken etwas dabei, wenn der Kollege den Bandbus fährt. Doch meistens wird Wasser konsumiert, denn Musik Machen ist anstrengend.

Sind diese lokalen Musiker nicht die eigentlichen Rockhelden hier am Ort? Der Titel „Rockheroes“ trifft in jedem Fall auf den Punkt.

Und natürlich ist da der Veranstaltungsort, Wienemann: Seit z. B. Michael van de Locht von LazLo gegen Ende der 70er von Homberg hierher gezogen war, erinnert er sich an Veranstaltungen bei Wienemann. Natürlich hat es die da auch schon lange vorher gegeben. Alle Bands haben viele Male dort Konzerte gespielt. Wienemann ist eigentlich ist eine einfache Kneipe hinter dem Deich, abgelegen, mit 50er-Jahre-Charme. Der Saal ist genauso, mit Holzboden, kahlen Wänden, groben Tischen und einer lauten Gebläseheizung. Bestimmt war er einmal für Schützen- und Dorffeste geplant, und nicht zu vergessen die über Jahrzehnte stattfindende, regelmäßige Dorfdisco.

Der Ort hat auch etwas Magisches. Der alte Saal, über Jahrzehnte nicht unverändert, wirkt wie in einer Zeitblase gefangen. Er weckt unzählige Erinnerungen und nimmt sowohl Publikum, wie auch die Musiker mit. Hier auf dem Land gibt es noch einige solcher Plätze. Die „Deutsche Flotte“ in Alpen-Veen fällt da spontan ein, wo LazLo und Headless, auch eine alte Band, erst im Frühjahr 2019 gespielt haben. Damals kamen fast doppelt so viele Leute, wie hinein passten. Und fast jeder der gekommen war, so an diesem Abend auch, hatte irgendeinen Bezug zum Veranstaltungsort.

Es gibt einen weiteren guten Grund, solche Konzerte durch zu führen. Wir leben in einer Zeit der Kettenläden, egal ob in der Gastronomie oder beim Einzelhandel. Die Liste ließe sich beliebig erweitern. Mit Veranstaltungen wie großen zentral organisierten Kneipennächten findet eine weitere „Verkettung“, diesmal im Bereich der Live-Musik, statt. Die lokalen Musiker und Bands bleiben weitgehend außen vor. Für die Gastronomen ist das praktisch, sie suchen sich die Musiker quasi aus dem Katalog aus, mit Stimmungsgarantie sozusagen. Wo bleibt aber die Kreativität, das Rebellische, das Freigeistige, das Lokale? Deshalb ist Eigeninitiative der Dorfmusiker gefragt.

„Aber ihr covert doch auch“, hört man dann immer als Totschlagargument. Das ist nur die halbe Wahrheit, denn ansonsten wären Jazz- und Klassikkonzerte auch Cover-Veranstaltungen. Aber das wird aber nicht so gewertet. Und wir Dorfmusikanten sehen das auch nicht so. Selbst in Stücken, die nicht aus unserer Feder stammen, steckt eine große Portion Eigenes. Wir interpretieren gerne, kein Stück wird jemals 2 Mal exakt gleich gespielt. Dafür sorgt unsere Improvisationsfreude.

Gibt es von den Rockheroes eine 4. Auflage? Wahrscheinlich ja, aber mit Modifikationen: Einerseits bei den Bands, es sollten jetzt vermehrt andere und gerne auch jüngere dran kommen. Andererseits ist auch ein weiterer Veranstaltungsort denkbar. Über das Wann und Wo kann noch nichts gesagt werden, vielleicht nächstes Jahr. Wir werden uns jedenfalls bemühen, etwas Schönes zustande zu bringen. Und LazLo wäre gerne noch ein wenig dabei. So ist es nun einmal, wir können nicht ohne Musik!

 

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